Same procedure as every year?

Der Butler im Film und in der Literatur

Unsichtbare Geister, die mehr über das Leben und Wirkern ihrer Herrschaft wissen, als jeder andere Mensch – so könnte man den Butler charakterisieren. Kein Wunder, dass dem gehobenen Bediensteten in der Literatur und im Film eine besondere Bedeutung zukommt. Autoren und Regisseure stellen den Butler entweder geheimnisvoll und undurchsichtig dar oder geben seiner Persönlichkeit einen humorvollen Anstrich.

Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr?

Wenn man sich an den stereotypen Habitus eines Butlers erinnert, fällt den Deutschen zuerst die Darstellung des Butlers James aus der Theater-Groteske „Dinner for One“ ein. Der britische Bedienstete steht der in Würde gealterten Miss Sophie seit Jahrzehnten hilfreich zur Seite und hat mit ihr gemeinsam alle Freunde überlebt. Deshalb übernimmt er an ihrem 90. Geburtstag die Rollen der nicht mehr anwesenden Gäste. Diesen Part setzt Komiker Freddie Frinton mit seiner Partnerin May
Warden slapstickartig und höchst unterhaltsam um.

Die Frage „Die gleiche Prozedur wie jedes Jahr?“ fungiert dabei als Running-Gag und gipfelt darin, dass der Butler die Hausdame ins Schlafgemach geleitet. Ganz diskret natürlich. Das amüsante Bühnenstück gehört zum tradtionellen Silvesterprogramm der öffentlich-rechtlichen Fernsehsender und wird jedes Jahr mehrfach ausgestrahlt.

Wenn der Butler die Hauptrolle spielt

Der Butler spielt in Film und Fernsehen eine wichtige Rolle, die oft für den Verlauf der Handlung entscheidend ist oder dem Zuschauer einen neuen Blickwinkel offenbart. Wir erinnern an den schwarzen Butler Stephen in Tarantinos Sklaven-Western-Epos „Django Unchained“, der grandios von Samuel L. Jackson verkörpert wird.

In der deutschen Edgar-Wallace-Krimireihe der 1960er Jahre spielt Eddie Ahrent mehrfach einen schusseligen Butler und trägt nicht unerheblich zum Erfolg der später oft kopierten Serie bei. Butler Lurch ist der Hausangestellte der Addams Family. In der amerikanischen Seifenoper „Trautes Heim“ trägt der Butler den Namen Benson, der später sogar eine eigene Serie bekommt. Butler Niles war der heimliche Hauptdarsteller in der Sitcom „Die Nanny“. In der Literaturverfilmung „Was vom Tage übrig blieb“ werden detailliert die Aufgaben und der Tagesablauf des Butlers Stevens dargestellt, brillant verkörpert von Anthony Hopkins.

Der Mörder ist immer der Butler

Diese bekannte Phrase wird der Krimiautorin Mary Roberts Rinehart zugesprochen, und später als Stilmittel in vielen Erzählungen und Romanen verwendet. „Der Butler war’s“ zielt darauf ab, dass ein perfekt arbeitender Hausangesteller zwar immer präsent ist, aber selten dominant in Erscheinung tritt und deshalb auch nie in den Fokus der Ermittlungen gerät. Soziale Unsichtbarkeit nennt sich dieses Phänomen.

In den Spionage-Romanen des Schriftstellers Boris Akunin erzählt Butler Afanasii
Stepanowitch die gesamte Geschichte aus der Ich-Perspektive. In der englischen Literaturgeschichte des 19. Jahrhunderts taucht der Butler in nahezu jedem Werk auf. Einer, der den hilfreichen Geist nahezu hofiert hat, ist P. G. Wodehouse. Sein trockenhumoriger Butler Reginald Jeeves gilt als Prototyp eines Butlers. Im Laufe seines Lebens hat der Schriftsteller 61 Butlern Leben eingehaucht und somit diesem Berufsbild ein literarisches Denkmal gesetzt.

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