vom Butler zur Butleresse

Vom Butler zur Butleresse – eine Männderdomäne wird feminin!

Frauenpower in einer Männerdomäne

Ausgerechnet dort, wo das Klischee vom stets korrekten und stets etwas steifen Haushaltsmanager zu Hause ist, wird es seit mehreren Jahren erfolgreich unterlaufen. Und auch hier nicht von irgendwem, sondern von der royal family höchstselbst. Im Haushalt der Queen sind bewusst viele weibliche Butler beschäftigt.

Eine überwiegend männlich besetzte Branche

Was an dieser Tatsache so unerhört ist, offenbart ein Blick in die Geschichte des Butler-Berufes. Seit es ihn gibt, werden die damit verbundenen Tätigkeiten (fast) ausschließlich von Männern ausgeübt. Fast – denn wie überall bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Bereits 1892 gelang es einer Frau in die maskulin besetzte Butler-Welt einzudringen. Das belegt Horace Smiths Werk „Interludes being Two Essays, a Story, and Some Verses“. Doch erst ein knappes Jahrhundert später wurden weibliche Arbeitskräfte in der Rolle des Haushaltsmanagers offiziell anerkannt. Grund dafür war die Fokussierung auf Kernkompetenzen wie Personal- und Buchführung, welche die persönliche Assistenz durch einen Butler zunehmend verdrängte.

Frauen als Butler – (k)ein Unding

Im Mutterland des klassisch agierenden Butlers aber war für Frauen kein Platz. Sie durften den Beruf zwar als Quereinsteigerinnen ergreifen; aber keine explizite Ausbildung aufnehmen. Das ging jenen Damen, die sich hierzu berufen fühlten, gehörig gegen den Strich. Weil sie als angehende Butler jedoch stets Contenance zu wahren hatten, durften sie keinesfalls laut aufbegehren – sondern mussten im Stillen überzeugen. Eine, der das vorbildlich gelang und die damit ein Exempel in der Männerdomäne „Butler“ statuierte, ist Zita Langenstein.


Beispielhafter Bildungsweg

Die gebürtige Schweizerin ließ sich zur Hotelfachassistentin ausbilden, sammelte zahlreiche Erfahrungen im In- und Ausland – und wurde nicht müde, sich immer wieder um einen anerkannten Abschluss zu bemühen. 2005 konnte sie sich den langgehegten Traum erfüllen und wurde die erste explizit ausgebildete Butleresse. Als solche war und ist Zita Langenstein in verschiedenen Häusern tätig. Auch im Buckingham Palace serviert und organisiert sie in einer Mischung aus refined british attitude und typisch Schweizerart.


Ein Beruf mit Zukunft

Doch Langenstein hat nicht nur sich selbst Türen geöffnet. Ihr liebenswürdig-hartnäckiger Einsatz kommt zahlreichen Interessentinnen zugute. Obgleich Butleresse noch immer ein äußerst seltener Beruf ist, mehren sich die Nachfragen nach weiblichen Haushaltsmanagern. Das größte Potenzial haben sie in den Ländern der arabischen Welt, weil es hier als unschicklich gilt, die Hausherrin mit einem Mann allein zu lassen. Aber auch in chinesischen und russischen Haushalten sowie in Deutschland und den USA steigt der Bedarf.

Desweiteren bevorzugen viele Personen des öffentlichen Lebens statt eines Butlers eine Butleresse. Seit der Vorbildwirkung des englischen Königshauses beschäftigen immer mehr Politikerinnen, Schauspielerinnen und andere Stars ihre persönliche Haushaltsmanagerin. Nach jüngsten Hochrechnungen ist bereits jeder fünfte bis achte Butler weiblich – Tendenz steigend.

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